Die Nummer 1 – Kartoffelsalat à la bavaroise

Kartoffelsalat - die erste Mahlzeit meines Lebens. Das erste Bier folgte wenig später.

Kartoffelsalat – die erste Mahlzeit meines Lebens. Das erste Bier folgte wenig später.

Die Frage, worüber mein erster Eintrag in diesem Blog handeln sollte, hat mich ein Weilchen beschäftigt. Dann aber fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Natürlich muss ich zur Eröffnung über das Gericht schreiben, das meinen Eltern zufolge das erste feste Nahrungsmittel war, das ich zu mir genommen habe.
Auf Familienfesten erzählt meine Mutter gerne den Schwank, wie mein Vater mir im zarten Alter von sechs Monaten ein Löffelchen Kartoffelsalat einflößte, mit der Bemerkung „Irgendwann muas der Bua ja moi wos gscheids griang“ – was frei übersetzt so viel heißt wie: „Von Milch allein wird niemand glücklich“.
Ob mir der erste Kartoffelsalat meines Lebens geschmeckt hat oder nicht, kann ich heute nicht mehr sagen, meine eigene Erinnerung daran ist verständlicherweise recht vage. Tatsächlich aber gehört Kartoffelsalat nach Art der Familie bis heute zu meinen Leibspeisen.
In Amerika gibt es das wunderbare Konzept des „Comfort Food“ – auf Deutsch manchmal fälschlicherweise „Soul Food“ genannt und etwas steif übersetzt als „Trostmahlzeit“. Das klingt für meinen Geschmack etwas zu sehr nach Henkersmahlzeit.
Wie auch immer das Kind genannt wird, auf jeden Fall gehört Kartoffelsalat zu meinen Leibspeisen und hat mir schon oft Trost gespendet. Als ich beispielsweise für mehrere Monate im Sudan weilte, war der Salat mein Hilfsmittel gegen aufkeimendes Heimweh. Und er half mir dabei, meine deutschen Mitbewohner nach einer Stinkattacke zu besänftigen (mehr dazu in der Geschichte zum Sudan).
Die Zubereitungsart ist, wie es sich für ein ordentliches regionales Essen gehört, von Familie zu Familie unterschiedlich. Das folgende Rezept erhebt daher keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist einfach die Art, wie ich Kartoffelsalat am besten finde.
Die seelentröstende Wirkung beginnt schon bei der Zubereitung – das Schneiden der Zwiebeln hat für mich immer etwas Meditatives. Ich habe die Zwiebeln gerne möglichst klein, denn große Stücke dominieren den Geschmack zu sehr. In der Zwischenzeit kochen die Kartoffeln. Zuhause gabs den Salat meist mit mehlig kochenden Kartoffeln, vorwiegend festkochende sind aber auch fein. Salz, Zucker, Essig, Öl – in dieser Reihenfolge wird gewürzt. Mit Essig & Salz sollte man dabei nicht sparen, denn der Salat zieht noch nach. Gepfeffert wird am Ende.
Davor muss aber noch ein Schlückchen Wasser dazu – manche nehmen auch Brühe, aber das hier ist mein Familienrezept und bei uns gabs Wasser. Basta. Dabei ist es jedes Mal wieder spannend, ob die Wassermenge passt. Zu viel davon, und der Salat wird suppig. Zu wenig Wasser, und der Kartoffelsalat ist trocken und bleibt im Hals stecken. Wenn die Wassermenge aber stimmt, dann entsteht auf wundersame Art ein seidig-glänzendes Meisterwerk der bayerischen Küche. In diesem Sinne: „An Guadn“.

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