Geliebte Vielschichtige – eine etwas anrüchige Hommage

Tomate_1

Tomatenbrot mit Zwiebel & wildem Wiesenbärenklau – das ist wahrer Punk

Die Griechen tun es. Die Türken auch. Und ich, das gestehe ich hier und heute, ich tue es auch. Sogar regelmäßig. Am liebsten alleine, denn manchmal habe ich etwas Angst, andere mit dem Geruch zu belästigen. Die geneigte Leserin (Männer immer mitgemeint) hat selbstverständlich längst erraten, von was ich spreche – meine Leidenschaft, das sind rohe Zwiebeln.

Oh, ich sehe sie förmlich vor mir, die Heerscharen gerümpfter Nasen und vor Schreck geöffneter Münder. Rohe Zwiebeln, das hat nichts mit Haute Cuisine zu tun oder mit niedrigtemperatur-gegarten Spargelspitzen. Rohe Zwiebeln, das ist Punk. Scheiß auf Etikette, scheiß auf den fiesen Nachgeschmack am nächsten Tag – hier und heute tobt das Leben. Sprachs, und biss in die Zwiebel.

Und ich rede hier nicht von den homöopathischen Dosen, mit denen mancher fade Partysalat aufgepeppt wird. Nein, ganze Scheiben müsse es sein. Die Griechen packen sie aufs Gyros, die Türken in den Döner. Dort geht die ganze Wucht der Zwiebel aber für meinen Geschmack etwas unter. Deshalb verrate ich Euch heute mein Rezept für den direkten Weg in den Zwiebelhimmel: Das Tomate-Zwiebel-Butterbrot.

Zunächst einmal brauchen wir Brot. Hier müsst Ihr ganz dem eigenen Geschmack vertrauen. Manche backen ihr Brot gerne selbst, andere finden das vorgeschnittene Graubrot von Aldi lecker. Ich persönlich mag es gerne knusprig, zum Beispiel ein Toskana-Brötchen. Auf das Brot muss ordentlich Butter oder Margerine – ich bin eigentlich kein Freund von Schmiere auf dem Brot, aber hier ist es wichtig.

Dann brauchen wir eine reife Tomate. Ich hatte in diesem Jahr das Glück, eine wirklich schöne Ernte an richtig reifen Fleischtomaten einzufahren. Aber gute Tomaten aus dem Markt tun es auch. Wir schneiden sie in Scheiben und belegen das Brot damit. Dann die Hauptdarstellerin, die Zwiebel (in Bayern wird übrigens die animalische Kraft der Zwiebel auch ins Sprachliche übertragen, dort ist die Zwiebel männlich und heißt „der Zwiefe“).
Wie auch immer genannt, hier haben wir auf jeden Fall wieder die Qual der Wahl. Wer es gerne etwas milder hat, nimmt eine große Gartenzwiebel oder eine der Süßzwiebeln, die es neuerdings in vielen Supermärkten zu kaufen gibt. Wer partout den Frankreichversteher heraushängen lassen will, kann auch eine Schalotte nehmen. Aber nicht vergessen – Zwiebeln sind Punk. Am besten also greifen wir einfach ins erstbeste Regal und nehmen uns, was dort liegt. In meinem Falle waren das rote Zwiebeln. Auch gut, sie werden auf jeden Fall schmecken. Nach dem Schälen geht dann ans Scheibenschneiden.

Wer gerne in Seidenbettwäsche schläft und beim Teetrinken den kleinen Finger abspreizt, schneidet die Scheiben möglichst dünn. Wer dagegen Lust hat auf Rock & Roll, schneidet dicke Scheiben. Dann etwas Salz und im Prinzip ist die Band fertig für den Auftritt. Wer es aber so richtig krachen lassen will, streut noch etwas grünes Pulver darüber – getrockneter Wiesenbärenklau. Den gibt es in keinem Supermarkt zu kaufen, stattdessen hat ihn mir eine Arbeitskollegin mitgebracht, die sich auf Wildkräuter-Wanderungen spezialisiert hat. Das aber ist eine andere Geschichte & die gibt es beim nächsten Mal.

2 Gedanken zu “Geliebte Vielschichtige – eine etwas anrüchige Hommage

  1. Ich bin großer Anhänger aller Allium-Gewächse und erinnere mich mit Freuden an die faustgroße Zwiebel, die es in Azraq täglich zum Frühstück gab. Ein herzhafter Biß und man war gewappnet für den Tag, egal ob Tramper mit AK-47 auf dem Rücksitz oder Verlust jeglicher Kühlflüssigkeit im Mietwagen, 50 km von nächsten Ort entfernt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>