Italien – Welcome to paradise

1024px-Flag_of_Italy.svgObwohl mir die römisch-katholische Religion in die Wiege gelegt wurde, finde ich seit langem auch die islamische Welt interessant. Als ich vor kurzem von einer Italien-Reise zurückkehrte, musste ich daher an eine Überlieferung denken, die über den Propheten Mohammed verbreitet wird.

Dieser Legende nach war Mohammed auf dem Weg nach Damaskus. Als er dann die Schönheit der Stadt aus der Ferne erblickte, blieb er stehen und weigerte sich, weiterzugehen. Nach dem Grund gefragt, sagte er: „Der Mensch sollte das Paradies nur einmal betreten.“

Was Damaskus für Mohammed war, ist für mich Italien – das Paradies, zumindest in kulinarischer Hinsicht. In Momenten wie diesen bin ich froh, bei meinen römisch-katholischen Wurzeln geblieben zu sein. So darf ich so oft ins Paradies, wie ich möchte. Und muss mich dort dann nicht mit 72 Jungfrauen herumplagen, sondern kann mich den wirklich wichtigen Dingen des Lebens widmen. Essen und Trinken.

Der erste, positive Schock traf mich beim Betreten eines Supermarktes in der Nähe von Mailand. Von außen sah der Markt aus wie ein typischer Vertreter der Kaufland-, Rewe-, Real-Fraktion. Innen dagegen gab es ein Angebot, das alles in den Schatten stellte, was ich aus Berlin kenne. Eine riesige Fischtheke, kunstvoll aus Eis modelliert. Schinken und Salamis in allen Farben und Formen. Ein Käseangebot, das mir schier die Tränen in die Augen trieb. Und dazu das frischeste Gemüse, das man sich vorstellen kann. Tomaten, die den Sonnenschein auf die Zunge zauberten, knackig frische Artischocken, zarte grüne Bohnen. Ich wäre nicht traurig gewesen, hätte ich den gesamten Urlaub in diesem Supermarkt verbracht – vorausgesetzt, ich hätte irgendwo eine Küche gefunden, um all die Leckereien zuzubereiten.

Noch viel unfassbarer ist es für mich, dass jede italienische Region mit ihrer ganz eigenen Variante des Paradieses aufwartet – Trüffel aus dem Piemont, Mozzarella aus Apulien (unsere weißen Klumpen in Salzlake sind dagegen nur ein trauriger Abklatsch), Tomaten aus Sizilien. Bevor ich die Lobhudelei jetzt zu weit treibe, noch zwei Entdeckungen, die ich von der kurzen Reise aus dem Piemont mitgenommen habe.

Das sind zum einen Puntarelle, eigentlich eine Spezialität aus Mittel- und Süditalien. Die es aber natürlich in meinem Paradies-Markt auch zu kaufen gab. Puntarelle sehen aus wie kleine, dicke Spargel, die innen hohl sind. In Wirklichkeit stammt die Pflanze aus der Familie der Zichoriengewächse und sieht als ganze Pflanze dem Löwenzahn ähnlich. Gegessen werden die innenliegenden Triebspitzen – in Deutschland werden Puntarelle manchmal als „Vulkanspargel“ vermarktet. Sie schmecken ganz leicht bitter, aber haben einen schönen Eigengeschmack und eine tolle Konsistenz, wenn man sie nur kurz brät.

Das zweite Gemüse, das in Deutschland nur sehr selten zu finden ist, nennt sich „Agretti“ – der deutsche Name ist „Mönchsbart“. Vom Aussehen her ähnelt es dem Salzspargel, den es manchmal an Fischtheken auch bei uns im Lande zu kaufen gibt (auch Queller oder Salicornes genannt). Eine krautige Pflanze, mit saftigen Trieben, die ganz leicht salzig und nussig schmecken. Auch hier empfiehlt sich wieder die klassisch italienische Zubereitungsart, nämlich kurzes Braten in Olivenöl, eventuell noch mit etwas Knoblauch und Sardellen. Und dann das Ganze zu einer Pasta nach Wahl. Ein primo piatto der Sonderklasse.

Mehr als eine Vorspeise kann auch dieser Text nicht sein. Der secondo piatto folgt dann nach meiner nächsten Italien-Reise.

Hier noch ein paar Fotos von Agretti aus meinem Garten. Die Puntarelle sind leider noch nicht so weit. Wer sich aber schon einmal ein paar schöne Bilder davon anschauen möchte, kann das hier tun: Cucina Piccina

Agretti_1

So sieht eine einzelen Agretti-Pflanze aus…mangels eines geeigneten Agretti-Ständers musste die Weinflasche herhalten.

So sehen Agretti auf dem Feld aus...

So sehen Agretti auf dem Feld aus…

Agretti_3

Und so schließlich als kleine Vorspeise, mit schön kross gebratenem Knoblauch.

3 Gedanken zu “Italien – Welcome to paradise

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