Küchenphilosophie 2 – Das richtige Essen

shutterstock_130987874Zeit für etwas Küchenphilosophie. Lange Zeit war die Frage nach der richtigen Ernährung einfach, weil die religiösen Vorschriften bis ins Detail regelten, was der Mensch wann essen durfte. Gott, Allah, Jahwe und Shiva – alle obersten Bosse haben genaue Vorstellungen, was erlaubt ist und was nicht. Kein Schwein, kein Rind, kein Fleisch mit Milch, kein Fleisch am Freitag und an Fastentagen – der Glauben regelt alles. Seit Nietzsche uns in der „Fröhlichen Wissenschaft“ aber sein „Gott ist tot“ entgegen gerufen hat, ist das alles nicht mehr so einfach.

Mittlerweile ist auch in den Küchen die postmoderne Verwirrung eingekehrt. Ovo-Lacto-Vegetarier, Veganer, Rohköstler, Flexitarier, Omnivoren und Fructarier – jeder ganz nach seiner Facon. Einige versuchen, auf kulinarischem Gebiet das beruhigende Gefühl von absoluter Gewissheit wiederherzustellen. Missionarische Veganer zum Beispiel, die uns glauben machen wollen, dass nur die pflanzliche Ernährung allein seligmachend ist.
Im Gegensatz dazu finde ich die Vielfalt, die ernährungstechnisch in unseren Küchen herrscht, grundsätzlich bereichernd.

Philosophisch fühle ich mich dabei den sogenannten Neo-Pragmatikern nahe, zu denen beispielsweise Richard Rorty gehört. Er rät dazu, all diejenigen, die uns scheinbar unverrückbare Wahrheiten präsentieren, kritisch zu hinterfragen. Stattdessen sollten wir das Leben stets mit einer Prise Ironie würzen, um die Widersprüchlichkeiten schmackhaft zu machen. Und uns gleichzeitig dafür einsetzen, dass unseren Mitgeschöpfen, Menschen wie Tieren, so wenig Grausamkeit wie möglich geschieht. Das finde ich eine schöne Küchenphilosophie.

5 Gedanken zu “Küchenphilosophie 2 – Das richtige Essen

  1. Ein (wissenschaftliches/philosophisches) Grundproblem, dass dringends einer Bearbeitung bedarf, ist die Rangfolge der Lebewesen. Wer beweist eigentlich universell, dass die Tiere höher stehen als die Pflanzen, wir also erstere mehr schützen müssen als letztere. Was ist der Stall voller Schweine im Vergleich zu einem Gewächshaus voller Tomaten? Beides Massenlebewesenhaltung.

    Was machen wir, wenn sich irgendwann mal herausstellt, dass die Pflanzen die höheren Lebewesen sind?

    • Ich weiß nicht, ob die Einordnung in höher und niedriger wirklich zielführend ist – aber ein gesundes Maß an Respekt vor allen Mitwesen, ob tierisch, pflanzlich oder menschlich, ist auf jeden Fall ein guter Anfangspunkt. Ich freu mich schon auf weitere Diskussionen auf dem BloggerCamp :)

      Viele Grüße, Markus

      • Philosophische Betrachtungen würde ich ggf. eher abends im Kaminzimmer (oder etwas ähnlichem) mit einem leckeren Rotwein in der Hand führen. Beim eigentlichen Camp würde ich doch lieber kochen und essen/trinken und Spaß haben. 😉

          • Aber nur konzentriert auf das im Entstehen befindliche Essen. Alles andere würde ablenken und der Kulinarik nicht huldigen.

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