Küchenphilosophie 6 – Kulinarische Kriege oder „War and Peas“

shutterstock_130987874Eine kurze Bemerkung eines guten Freundes hat vor kurzem wieder meine küchenphilosophische Neugier in Bewegung gesetzt. Mein Freund Moritz berichtete von einer kleinen Anekdote aus der Ukraine – dort wird ein Cocktail, der bislang als „schwarzer Russe“ verkauft wurde, jetzt als „schwarzer Ukrainer“ verkauft. Das erinnerte mich an die Zeit, als Frankreich und die USA wegen des Irakkriegs über Kreuz lagen und die „French Fries“, wie die Pommes normalerweise in den USA heißen, plötzlich in „Freedom Fries“ umbenannt wurden.

Etwas Recherche im Internet förderte dann noch einige weitere Beispiel hervor, in denen Essen als Kristallisationspunkt von Konflikten herhalten muss. Ganz prominent ist natürlich das „Hummus“, um das sich verschiedene arabische Länder und Israel streiten – jeder will den Kichererbsenbrei erfunden haben. Den gleichen Streit gibts um Falafel.

Es gibt aber auch die Gegenbewegung, die sogenannte „Culinary Diplomacy“ – da treffen sich beispielsweise die Chefköche von Staatsoberhäuptern in kleiner Runde, um zu besprechen, wie die Zungen der jeweiligen Politikerinnen & Politiker gepolt sind. Fallstricke gibt es ja zur Genüge – wer dem indischen Präsidenten ein schönes Rindersteak serviert, darf auf ebensowenig Gegenliebe hoffen wie das Schweineschnitzel beim saudischen König. Wenn aber der Gaumen durch erlesene Genüsse erfreut wird, dann lässt es sich gleich viel angenehmer über das neue Freihandelsabkommen verhandeln. Nicht umsonst nennt Hillary Clinton das Essen „eines der ältesten diplomatischen Werkzeuge“.

Da kommt dann auch unser Primatenerbe wieder zum Vorschein – schon bei den Bonobos, einer Schimpansenart, ist das Verschenken von Essen eine der beliebtesten Arten, um Konflikte zu lösen. Noch beliebter als Konfliktlösungswerkzeug ist bei unseren äffischen Vorfahren nur der Sex. Ich weiß zwar nicht genau, was sich so in Brüsseler Hinterzimmern abspielt oder ob auf den Fluren der UN wilde Orgien gefeiert werden, aber aus meiner Sicht wäre das durchaus mal einen Versuch wert, ob sich internationale Konflikte nicht auf diese Art lösen ließen. Unterhaltsamer als die öden Sitzungen des Sicherheitsrates wäre es allemal.

In den USA gibt es mittlerweile sogar Kurse an Universitäten zum Thema „Gastro-Diplomatie“. Hätte es das damals zu meinen Studentenzeiten auch schon gegeben, dann hätte ich mein Nebenfach „Politische Wissenschaft“ mit deutlich mehr Enthusiasmus studiert, glaube ich. In Thailand, Korea und Peru gibt es ähnliche Bemühungen – wenn ich mir so anschaue, womit die vergangenen drei Bundeskanzler in Deutschland geglänzt haben (Pfälzer Saumagen, Currywurst & Kartoffelsuppe), gibt es bei uns hier noch deutlich Luft nach oben, finde ich.

7 Gedanken zu “Küchenphilosophie 6 – Kulinarische Kriege oder „War and Peas“

  1. Ach, wer weiß: Vielleicht sind Saumagen, Currywurst und Kartoffelsuppe ja bloß in großen Konferenzen ausgewählt worden als die Gerichte, die die Deutschen am wenigsten bedrohlich wirken lassen, sondern handfest, bodenständig, nahbar, solide. 😉

    • Ahh, Du vermutest also einen ausgefinkelten Plan hinter den Essgewohnheiten unserer Regierungs-Granden…gut möglich!
      Ich seh schon, als nächstes muss ich mich dann wahrscheinlich den küchenphilosophischen Verschwörungstheorien widmen 😉 Da könnt ich mich dann z.B. damit beschäftigen, mit welchen Gerichten schon gemeuchelt wurde – quasi ein mörderisches Kochbuch. Von der Pilzsuppe bis zur angefeilten Fischgräte…

  2. Deine FLur- und Hinterzimmervermutungen haben bei mir ein ganz böses Kopfkino in Gang gesetzt, habe ich doch gerade noch unsere Spitzenpolitiker bei einem der berühmten Gruppenfotos gesehen. Diese beiden Bilder verknüpften sich doch eher horrorströs miteinander … Die Bonobos sollte mensch sich vielleicht nicht in jedem Zusammenhang als Vorbild wählen.

    Küchenphilosophische Verschwörungstheorien, das wäre doch mal was. Wobei ich in diplomatischen Gefilden doch eher Getränken das Potenzial gebe, lenkend und leitend eingesetzt zu werden als ausgewählten Speisen, vor allem, wenn es um finale Problemlösungen geht.

    Ansonsten erinnere ich mich mit einer gewissen inneren Heiterkeit an eine Szene aus dem Film „Eine Leiche zum Dessert“ – einer wunderschönen Krimi-Parodie aus den 1970er Jahren. Einer der Tafel-Gäste, nachdem er wissend betonte, sein Wein wäre nicht vergiftet, trinkt einen Schluck und beugt sich anschließend, augenscheinlich schmerzverzerrt, vornüber. Als die anderen besorgt aufspringen, währt er Hilfe ab und setzt sich mit den Worten, dass er nicht vergiftet worden wäre, nur der Wein wäre ein scheußlicher Jahrgang …

    • Ja, da gibts bestimmt ein Komplott. Und dass bislang noch nie jemand darüber berichtet hat, macht das Ganze nur noch verdächtiger! (aus dem kleinen 1×1 der Verschwörungstheorien 😉 )
      Aber im Ernst, Je mehr ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir der Gedanke, eine kleine Blogserie ins Leben zu rufen mit mörderischen Rezepten…mal schauen. Das mit den Getränken ist auf jeden Fall ein guter Tipp – zumindest in Filmen wird ja gerne das eine oder andere Pülverchen ins Glas geschmuggelt.

      • Eben, eben. Garantiert ungenießbare Rezepte. Bzw. Rezepte für den einmaligen Genuss. Stechapfelkompott, diverse Pilzsuppen, Kugelfisch, unsachlich ausgenommen, Lasagne für 1,59€ … usw usw. Da ließen sich sicher einige Sachen finden.

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