Marokko – Tausendundeine Kloschüssel

Flag_of_Morocco.svgWer die Geschichte zu Spanien schon gelesen hat, weiß bereits, dass meine Marokkoreise dank einer Killer-Paella leider denkbar schlecht losging. Nachdem wir unsere obligatorische Teppichverkäufer-Erfahrung in Tanger gemacht hatten, erreichten mein Reisekumpan und ich schließlich deutlich geschwächt unser Ziel in Rabat.
Dort besuchten wir eine gute Studienfreundin und ihre Familie. Auch wenn die Familie nach unserem Verständnis nicht reich war, hatten sie doch eine Köchin – Hilfskräfte zu beschäftigen, ist in arabischen Ländern wesentlich normaler als bei uns. Saadia war eine resolute, aber herzliche Haushälterin, die ihre Rezepte in erster Linie aus Fernsehsendungen bezog.
Und ihre Kochkünste waren wirklich filmreif – Gewürze aus tausendundeiner Nacht dufteten uns hier entgegen, butterzarter Couscous, sanft geschmortes Lammtajine, kross gegrillter Fisch.

Nur leider konnten wir von alledem nichts essen. Denn für uns gab es gekochten Reis mit Karotten, leicht versalzen. Das war das Hausrezept der Familie gegen unseren aus Spanien importierten Durchfall. Als Beilage gab es Kohletabletten. Unser Leitgedanke beim Sightseeing war „Wo ist die nächste Toilette“ – so ungefähr muss sich das Reisen in einer Rentnergruppe anfühlen.

Irgendwann aber reichte es mir mit den tausendundeinen Kloschüsseln, denn Saadia tischte in der Zwischenzeit immer tollere Köstlichkeiten auf. Harira, eine deftige Kichererbsensuppe mit Hühnermägen, die vor allem während des Ramadans gegessen wird, Zaalouk, das aus Auberginen in würziger Tomatensauce besteht und Mrouzia, sanft geschmurgeltes Lammfleisch in einer süß-salzigen Sauce aus Mandeln, Honig und der fantastischen marokkanischen Gewürzmischung Ras el Hanout.

In meiner Verzweiflung beschloss ich daher, die Hilferufe meiner Eingeweide zu ignorieren und schwelgte in Saadias Kochkünsten. Mein Magen war davon zwar unbeeindruckt und setzte seinen Streik munter fort – ich aber verbuche das als Sieg des kulinarischen Geistes über den unwilligen Körper.

Von einem meiner Brüder hatte ich noch den Tipp bekommen, unbedingt die scharfen Paprikawürstchen zu probieren, die es gegrillt überall am Straßenrand gab – das habe ich mich damals eingedenk der erwähnten Probleme leider nicht getraut. Mittlerweile weiß ich aber, dass die leckeren Würstchen Merguez heißen. Man bekommt sie auch in vielen arabischen Imbissen in Deutschland.

Was ich dagegen noch nirgendwo anders gesehen habe, sind die großen Töpfe mit kleinen Schnecken, die es in Marokko am Straßenrand gab. Man bekommt die Schnecken in eine Schüssel und einen kleinen Spieß dazu. Damit angelt man sie dann aus ihren Häuschen. Aus Frankreich kenne ich das so ähnlich mit kleinen Meeresschnecken, den Bigorneaux. Die marokkanischen Schnecken sahen allerdings eher aus wie die kleinen, gestreiften Dinger, die hier durch die Gärten schleichen. Probiert habe ich sie damals leider nicht und die Gartenschleicher habe ich bisher auch noch verschont – aber vielleicht kennt jemand ein leckeres Rezept?

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