Neuseeland – Tückischer Toast

1200px-Flag_of_New_Zealand.svgFür viele gehört Neuseeland zu den Traumzielen, die mindesten einmal im Leben bereist werden sollten. Das Land, in dem die „Herr der Ringe“-Filme gedreht wurden. Wo es auf engstem Raum Gletscher und Fjorde, Urwald und Traumstrände gibt. Wo Bungeespringen erfunden wurde und wo es Kiwis mit und ohne Federn gibt.

Im Alter von 17 Jahren war ich im Rahmen eines Schüleraustausches für rund drei Monate in Neuseeland.  Ausschlaggebend für die Wahl von Neuseeland als Gastland war dabei allerdings weniger die reizvolle Landschaft als vielmehr die Tatsache, dass Neuseeland maximal weit von Deutschland entfernt ist – perfekt, um der gefühlten heimatlichen Enge zu entkommen.

Was die kulinarischen Erfahrungen anbelangt, war die gefühlte Entfernung allerdings gar nicht so überwältigend. Vielmehr war der Trip ans andere Ende der Welt meine erste intensivere Begegnung mit der angelsächsischen Küche. Die heutigen Bewohner Neuseelands stammen nämlich vielfach von britischen Siedlern ab und dieses Erbe findet sich auch in der Küche wieder. So auch bei meinen Gasteltern, einer liebenswürdigen Familie mit eigener Schaffarm und britischen Vorfahren.

Ein zentrales Element in der neuseeländischen Küche beispielsweise ist das Sandwich. Für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn Toastbrot gab es bei uns zuhause kaum. Die ungetoasteten, labbrigen Weißbrotscheiben weckten daher zunächst keine große Begeisterung. Bis zu dem unseligen Tag, als mir das erste Peanutbutter & Jelly-Sandwich meines Lebens serviert wurde. Die Geschmackskombination von Erdnussbutter und Marmelade muss sich ein rachsüchtiger Gott ausgedacht haben.

Der etwas trocken-cremige Geschmack der Erdnussbutter, gefolgt von der Süße der Marmelade, die alle Trockenheit auf der Zunge in fettig-süßes Wohlgefallen auflöst, perfekt kombiniert mit den weichen und saftigen Weißbrotscheiben, die zum Runterschlingen einladen. Himmlisches Frohlocken schon beim ersten Bissen. Und Höllenqualen beim anschließenden Blick auf die Waage. Das Peanutbutter & Jelly-Sandwich hat wahrscheinlich mehr Menschen auf dem Gewissen als Jack the Ripper – pure Herzverfettung auf weichen Scheiben.

Zu einer weiteren Überraschung zwischen zwei Toastbrotscheiben kam ich nicht ganz freiwillig. Eines unbedarften Nachmittags kam mein neuseeländischer Austauschpartner mit einem Teller an, darauf ein Sandwich. „Möchtest Du ein Käse-Sandwich?“, fragte er mich mit Unschuldsmiene. Nichtsahnend und hungrig griff ich danach. Während ich das Sandwich aß, wunderte ich mich ein wenig über seinen schelmischen Blick. Als ich fertig gegessen hatte, stieß er einen kleinen Jubelschrei aus und rief: „Ha! Du hast es gegessen. Und es hat Dir GESCHMECKT!“

Der Grund für seinen Jubel war etwas, das sich unter dem Käse verborgen hatte und das meinen unaufmerksamen Geschmacksknospen entgangen war – „Marmite“. Auch unter dem Namen „Vegemite“ bekannt. Für Briten eines der Kronjuwelen der angelsächsischen Küche. Für alle anderen „Das-fürchterlich-schmeckende-Zeug, das-aussieht-wie-Schuhcreme-und-schmeckt-wie-ungewaschene-Achsel“. Ich hatte das Höllenzeug einmal pur gekostet und mir danach geschworen, es nie wieder zu essen. Meinem Austauschpartner hat das allerdings keine Ruhe gelassen, denn aus seiner Sicht entging mir damit eines der leckersten Dinge, die die neuseeländische Küche zu bieten hat. So kam er auf immer wieder neue Ideen, mir Marmite schmackhaft zu machen. Und mit dem tückischen Toastbrot schaffte er es schließlich, mir Marmite unterzujubeln, ohne damit einen Würgereiz auszulösen. Und tatsächlich, in homöopathischen Dosen kann ich Marmite mittlerweile zu mir nehmen und finde den Geschmack sogar ganz interessant. Aber im Zweifelsfall esse ich dann doch lieber gekochtes Schweinhirn oder Entendarm.      

4 Gedanken zu “Neuseeland – Tückischer Toast

  1. Da musste ich doch sicherheitshalber erstmal googlen, nicht, dass ich die eine Schandtat mit der anderen verwechsel. 😉
    Hefeextrakt in fast reiner Form, man könnte sich vermutlich auch sein Toast mit Fondor bestreuen. 😉 Die Quelle ist nur eine andere.
    Wie kannst Du nur sowas essen, als guter Kulinariker. 😉 Trinkst Du morgens auch gern mal ein Becher aufgebrühter gekörnter Brühe?

    • Lustigerweise ist Marmite anscheinend eine deutsche Erfindung – sagt zumindest Wikipedia. Das war auf jeden Fall eine der besseren Ideen, das Zeug nur für den Export zu verwenden…
      Marmite zu essen ist eher so, als ob Du Dir die gekörnte Brühe gleich pur mit dem Löffel in den Mund schiebst. Mit genügend Käse gehts aber 😉

  2. Hallo Küchenphilosoph,
    was gibt es zu essen? Ich möchte Grillspecials und Hülsenfrüchte, Colahuhn und Bratapfel mit Schuss und ausserdem gute Getränke! Liebe Grüße
    😀

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