Polen – Butter bei die Brote

Flag_of_Poland.svgLeider komme ich gerade nicht so viel zum Schreiben wie ich gerne möchte. Und die Themen, die mir in kulinarischer Hinsicht durch den Kopf gehen, weigern sich noch, im Kopf Form anzunehmen und sich zu Papier bringen zu lassen. Aber der kluge Blogger sorgt vor – deshalb präsentiere ich hier einen „vorgekochten“ Text. Aber gerade im Winter ist ja die Zeit, das lecker Eingemachte hervorzuholen. In diesem Sinne: „Smacznego“!

Obwohl Polen von Berlin aus nur einen Katzensprung entfernt ist und einer meiner Brüder direkt an der Grenze in Frankfurt/Oder wohnt, komme ich relativ selten dorthin. Der Blick nach Osten ist für einen Wessi wahrscheinlich immer noch ungeübt.

Meine erste Reise nach Polen habe ich aber immerhin schon im zarten Alter von 16 Jahren unternommen. Da unsere Schule eine Freundschaft zu einer polnischen Schule pflegte, gab es regelmäßige Austauschfahrten. Die Neugier, die ich auch heute noch zu meinen positiven Eigenschaften zähle, war auch damals schon erwacht und deshalb nahm ich dieses Angebot gerne wahr.

Übernachten sollten wir bei polnischen Gasteltern, um Polen sozusagen aus erster Hand kennenzulernen. Nach einer rund achtstündigen Zugfahrt kam ich dann geschätzt gegen Mitternacht bei den Gasteltern an. Die Begrüßung war äußerst herzlich und nach einer festen Umarmung wurde ich in die Küche gebeten. Dort stand ein riesiger Berg Wurstbrote – das Familienabendessen, wie ich zuerst dachte. Der Brotberg war aber mir ganz allein zugedacht. Obwohl ich müde und erschöpft und kein bisschen hungrig war, griff ich mir ein Wurstbrot und biss hinein.

Die polnische Wurst genießt völlig zu Recht einen ausgezeichneten Ruf – Krakauer zum Beispiel zählt zu meinen Lieblingswürsten. Insofern war der erste Eindruck beim Biss in das Brot noch positiv. Dann aber folgte das dicke Ende in Form einer gut fingerdicken Schicht Butter, die zwischen Brot und Wurst geschmiert war.

Auch wenn es mir heute kaum mehr jemand glauben mag, war ich während meiner Jugendzeit eher ein mäkeliger Esser. Suppen mochte ich beispielsweise gar nicht. Mein schlimmster Feind in kulinarischer Hinsicht aber war Butter. Der leicht ranzige Geschmack von Butter, die nicht mehr ganz frisch ist, verbunden mit der fettigen Konsistenz – noch heute esse ich Brote am liebsten ohne Butter oder Margarine. Zum Kochen verwende ich Butter dagegen mittlerweile ganz gerne.

Von derlei differenziertem Meinungsbild war ich damals aber noch meilenweit entfernt. Das schien auch aus meinem Gesichtsausdruck hervorzugehen, denn meine polnischen Gasteltern fragten mich ganz besorgt, ob alles in Ordnung sei. Den Tränen nahe, würgte ich das Brot hinunter und nickte. Woraufhin sie mir gleich das nächste auf den Teller legten. Zwischen gut gemeint und gut gemacht liegt die Unendlichkeit…

Kulinarisch habe ich seitdem keine größeren Entdeckungstouren nach Polen mehr gemacht – ein Versäumnis, das ich aber sicher noch nachholen werde. Eine Nation, bei der das Pilze sammeln einen so hohen Stellenwert genießt wie bei unseren Nachbarn, ist mir auf jeden Fall erst einmal grundsympathisch. Also seid gewarnt, Bigos, Barsczcz oder Kapusniak – ich habe zwar keine Ahnung, wie man Euch ausspricht, aber schon bald werdet ihr auf meinem Teller landen!

10 Gedanken zu “Polen – Butter bei die Brote

  1. Schön fettige Erinnerung. 😉 Hast Du herausgefunden, ob zumindest damals in Polen generell Butter so üppig verwendet wurde oder ob das nur die Eigenart dieser Familie war?
    Über ein gutes Bigos-Rezept würde ich mich übrigens sehr freuen!

    • Leider war ich damals noch nicht ganz so auf Zack wie heute 😉 Heute würd ich wahrscheinlich tatsächlich versuchen, dahinter zu kommen, ob das typisch für die polnische Küche war oder eher nur für die Familie. Damals fand ich es dann wesentlich interessanter, dass es auch als 16jähriger kein Problem war, in Polen Wodka zu kaufen…und an sehr viel mehr erinner ich mich leider nicht 😉
      Bigos steht auch schon auf meiner Wunschliste – ich muss mal meinen Bruder anhauen, ob der ein gutes polnisches Restaurant kennt. Wenn ich war leckeres herausfinde, sag ich Bescheid.

  2. Markus,
    auch von mir eine kleine Anekdote zur polnischen Küche, an die ich ansonsten nur wenig Erinnerungen habe. Die wohl interessanteste Erfahrungen mit dem Bigos führte mich schon früh an die kulinarischen Auswüchse unserer Nachbarn heran. Denn mit dem Bigos wie ich es kenne wurde regelmäßig versucht, mit Hilfe eines deiner Lieblingsgewürze (Kümmel, Anm. d. Red.) unseren kindlichen/jugendlichen Stoffwechel in Unruhe zu versetzen. Eine überwürzte Version dieses sonst leckeren Gerichts gehörte zur Standardversorgung der Schulspeisung. Schade…
    Mit dir als Küchenchef oder in einem von dir getesteten polnischen Restaurant würde ich eine Annährung an Bigos nochmal wagen.
    würzige Grüße
    Alex

    • Vielen Dank für die Blumen 😉 Ich lad Dich gern mal zu nem Bigos ein. Zu dem Thema hab ich auch noch eine schöne polnische Gedichtzeile gefunden:
      W kociołkach bigos grzano. W słowach wydać trudno. Bigosu smak przedziwny, kolor i woń cudną: Słów tylko brzęk usłyszy i rymów porządek; Ale treści ich miejski nie pojmie żołądek.

      Zu deutsch:
      Im Kessel wurde Bigos gekocht. Es ist schwer in Worte zu fassen. Der Geschmack so merkwürdig, die Farbe und der Geruch so wunderbar: Worte sind nur ein Summen und die Reime Zufall; Aber den Inhalt wird nur der Magen verstehen.

      • Jetzt musste ich mir doch mal angucken, was Bigos eigentlich ist. Der Wikipedia-Eintrag klingt schon mal lecker. Ich bin angeregt. Irgendwie erinnert es mich an einen Schmortopf irgendwo aus dem britischen (war es schottisch oder irisch?) Raum. Da wurde Kraut und Fleisch in einen Topf geschichtet und gegart.

        • Das freut mich, dass Dich der Bigos (das Bigos, die Bigos? Polnisch müsst man können) neugierig gemacht hat. Szedgediner Gulasch ist wohl auch recht ähnlich, hatte Alex erwähnt.

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