Syrien – Lammzungen für Jesus

900px-Flag_of_Syria.svgEs ist wirklich herzzerreißend, in wie vielen Ländern der arabischen Welt gerade Bürgerkrieg herrscht. Syrien, das war einmal eines der vielfältigsten Länder der Region, mit unterschiedlichen Religionen und einer unglaublich reichen Geschichte und Architektur.  Jetzt liegt das Land in weiten Teilen in Trümmern. Daher fällt es mir schwer, unbeschwert über meine kulinarischen Eindrücke von dort zu berichten. 

Gleichzeitig ist aber auch niemandem geholfen, wenn man sich nur darüber ergeht, wie schrecklich doch die Situation in Syrien ist. Dafür sind die politischen Kommentatoren zuständig. Ich möchte hier die positiven Eindrücke lebendig halten, denn schöne Erinnerungen können vielleicht dabei helfen, irgendwann auch wieder eine schöne Zukunft entstehen zu lassen.

Syrien habe ich Anfang der 2000er-Jahre besucht, zusammen mit einer Freundin. Wir waren in Aleppo, Damaskus und haben auch noch einen kleinen Abstecher in den Libanon gemacht, nach Beirut und Tripoli (nicht zu verwechseln mit Tripolis in Libyen).
Nach meiner Marokko-Reise im Jahr zuvor erwartete ich ein erneutes Fest für die Sinne, eine Gewürzorgie mit Zimt und Ingwer, Kreuzkümmel, Paprika und Safran. Stattdessen gab es Ful.

Ful ist das Nationalgericht in vielen arabischen Ländern. Es besteht im Wesentlichen aus dicken Bohnen (bei uns auch Saubohnen oder Favabohnen genannt), die zusammen mit Wasser zu einem bröckeligen Brei gekocht werden. Zur Verfeinerung wird Salz und Öl eingesetzt. Gewürze sind optional. Ein zweites Nationalgericht ist Hummus. Auch wieder Brei. Nur eben nicht aus Bohnen, sondern aus Kichererbsen. Gewürze – meist Fehlanzeige.

Der Fairness halber sei gesagt, dass Ful und Hummus gar nicht so schlecht schmecken. Eine Variante ist mir sogar als ausgesprochen lecker in Erinnerung geblieben. In Aleppo, in der Nähe der Zitadelle, gab es ein Wasserpfeifen-Lokal, in dem man auch Kleinigkeiten essen konnte. Eine dieser Kleinigkeiten war Hummus mit Lammzunge. Als bekennender Zungenfan musste ich das natürlich probieren.

Das Hummus war cremig, mit einer leichten Zitrusnote, bedeckt mit einer Schicht frischen Olivenöls. Und darüber die Stücke der Lammzungen. Fest, ohne zäh zu sein, und ein etwas intensiverer Geschmack als normales Fleisch – diese Zungen waren wirklich nah an der Perfektion.

Einer weit verbreiteten muslimischen Überlieferung zufolge wird Jesus als Prophet am Ende der Zeiten in Syrien auf die Erde wiederkehren, genauer gesagt am Osttor von Damaskus. Ful mit Lammzungen wäre sicher ein angemessenes Begrüßungsessen. Und als Beilage dann Tabouleh, den leckeren libanesischen Couscous-Salat mit Petersilie, Minze & Gurke.

5 Gedanken zu “Syrien – Lammzungen für Jesus

    • Ja, das wär fein. Ich befürchte nur, dass weder das Restaurant noch der angrenzende Stadtteil überhaupt noch existieren…aber hoffentlich kann man irgendwann mal wieder nach Syrien fahren, um Lammzungen zu essen. Und wenns sein muss, sogar Ful.

  1. Ein ehrbares Anliegen, die Erinnerung an ein kulturell-kulinarisches Syrien wach zu halten! Allerdings kommen mir wirklich die Tränen, wenn ich daran denke. Ich war zweimal in Syrien: 1999 zu einem vierwöchigen Sprachkurs vor allem in Damaskus, 2006 bin ich zwei Wochen mit meinem Freund rumgereist. Und ich habe sehr, sehr gut gegessen. Auch wenn es ja leider meistens beim Reisen so ist, dass man in Restaurants nur einen Bruchteil der Landesküche kennenlernt. Meine wunderbarste kulinarische Syrien-Erinnerung ist die an mit Nüssen gefüllte, eingelegte Mini-Auberginen. Dein A

      • Das freut mich :-) Ja, und ich habe beim Beitrag über Syrien natürlich gemeinerweise das ganze Thema „Mezze“ ausgelassen. Aber der Kontrast zur marokkanischen Küche war für mich so groß, dass ich erst einmal darüber berichten wollte. Will sagen: Die Auberginen klingen toll, bin gespannt auf Deinen Bericht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>